Wenn die Hotelsuche für Rollstuhlfahrer kompliziert wird

Berlin – Eigentlich hat Dominik Peter alles richtig gemacht: Für seinen Spanienurlaub buchte er extra ein Zimmer in einem barrierefreien Hotel. Doch als der Berliner Reisejournalist mit seinem Rollstuhl ankam, versperrte ihm eine Treppe den Zugang.

Solche Erfahrungen hat der 53-Jährige schon oft gemacht. Einmal musste er in einer Hotellobby frühstücken, weil die Tür zum Speisesaal für seinen Rollstuhl zu eng war. «Die Kellnerin war ja ganz nett», sagt Peter. «Aber richtig wohl fühlt man sich so nicht.» Und in manchen Hotels kam er schlicht nicht ins Badezimmer oder zum Fernseher.

Für Menschen mit einer Behinderung ist es schwer, ein passendes Hotel zu finden. Es gibt wenige, und oft steht im Internet nicht genau, was die Gäste erwartet. Etliche Hotels bieten zwar barrierefreie Zimmer – haben dann aber zum Beispiel steile Rampen, die Rollstuhlfahrer nicht alleine hochkommen.

Bundesweit ist laut dem Hotelverband Deutschland (IHA) etwa jedes neunte der rund 20.500 Hotels barrierefrei – meist für Gäste im Rollstuhl, selten für Blinde oder für Gehörlose. Diese Angaben stammen aus einer
Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken. Bei
Sterne-Hotels ist demnach etwa jedes vierte barrierefrei – denn bei der Sterne-Klassifizierung können sich Hotels mit barrierefreien Zimmern Zusatzpunkte holen.

Diese Zahlen basieren laut IHA jedoch hauptsächlich auf Selbstauskünften der Betriebe und werden nur stichprobenartig gecheckt. Dominik Peter, der auch Vorsitzender des Berliner Behindertenverbands ist, geht von deutlich weniger geeigneten Hotels aus.

Doch der
Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) sieht sich auf gutem Weg, fordert aber auch Geld vom Staat: «Es ist eine öffentliche Aufgabe, die erheblichen Investitionen, die dafür insbesondere in Bestandsbauten erforderlich sind, zu unterstützen.»

Immer mehr Menschen brauchen barrierefreie Hotels. Etwa jeder Zehnte in Deutschland hat einen Schwerbehindertenausweis. Tendenz steigend – denn Menschen werden immer älter. Pro Jahr geben Leute mit einer Behinderung in Deutschland nach Angaben des Deutschen Seminars für Tourismus Berlin mehr als zwei Milliarden Euro für Urlaubsreisen aus.

Die 60-jährige Heidi Heininger aus Erzhausen in der Nähe von Frankfurt traf es vor fünf Jahren unvermittelt. Nach einem Schlaganfall war sie halbseitig gelähmt. «Plötzlich konnten wir unseren Urlaub nicht mehr bequem übers Internet buchen», sagt ihr Mann Klaus. Früher unternahmen die beiden weite Reisen nach Tibet oder Brasilien. Nun bleiben sie in Deutschland, wenden sich an spezialisierte Reisebüros und reisen wie viele Menschen mit Behinderung seltener. «Mit dem Rollstuhl ist alles schwieriger und ohne meinen Mann würde Urlaub gar nicht gehen», sagt sie.

Um Leuten wie Heidi Heininger und Dominik Peter den Urlaub und die Hotelsuche zu erleichtern, haben das Deutsche Seminar für Tourismus Berlin und ein Zusammenschluss aus Behindertenverbänden ein einheitliches Klassifizierungssystem für verschiedene Behinderungstypen geschaffen. Dieses unterstützen auch Hotelverbände und das Bundeswirtschaftsministerium. Geschulte Prüfer testen zurzeit Hotels und andere touristische Angebote.

Bisher sind bundesweit rund 250 geprüfte barrierefreie Hotels in der öffentlich zugänglichen Datenbank
«Reisen für Alle» gelistet. Reisende im Rollstuhl können dort schauen, ob es im Hotel ausreichend Aufzüge und Rampen gibt, ob die Türen breit und die Zimmer geräumig sind. Dort steht auch, ob es im Badezimmer Haltegriffe, tiefer gelegene Spiegel, mit dem Rollstuhl unterfahrbare Waschbecken und Duschsitze gibt. Gehörlose erfahren, ob es Blinklichter gibt, die Türklopfen anzeigen, und sehbehinderte Menschen, ob Treppenstufen kontrastreich sind.

Für Dominik Peter ist das Reisen im Rollstuhl in den vergangenen zehn Jahren einfacher geworden, weil immer mehr moderne Hotels passende Einrichtungen haben. «Aber leider sind diese Hotels meist relativ teuer.» Auch kommt er in vielen Hotels, die sich als barrierefrei vermarkten, nicht in die Schwimmbäder.

«Ich möchte ja nicht nur mit dem Lift in mein Zimmer kommen», sagt Peter, der seit einem Unfall vor 20 Jahren querschnittgelähmt ist. «Ich möchte auch baden gehen.» Das kann er, wenn der Pool eine Rampe oder einen Poollift hat, also einen Stuhl an einem kleinen Gerüst. In den USA etwa sind solche Einrichtungen weit verbreitet, da dort alle Hotels barrierefrei sein müssen. «Nach Amerika fahre ich besonders gerne», sagt Peter. «Dort kann ich einfach meinen Urlaub genießen – ohne mir immer viele Gedanken machen zu müssen.»

Fotocredits: Arne Immanuel Bänsch,Arne Immanuel Bänsch,Arne Immanuel Bänsch
(dpa)

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