Präsidentschaftskandidaten unter der Lupe: Herman Cain

In den USA führt er derzeit die Umfragen als potentieller republikanischer Präsidentschaftskandidat an, aber neben charismatischem Auftreten und ein paar knackigen Schlagwörtern hat Cain nicht so viel zu bieten, wie sich manche Fans wünschen.

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1945 geboren, hat Cain schon so einiges hinter sich, Kolumnist, Geschäftsmann, Radiomoderator, CEO einer Pizzakette, Bankdirektor, Mathematiker in der Navy und – das auch immer noch – immer mal wieder vertretender Minister der Baptistenkirche in seinem Wohnort in Atlanta.

Wirtschaftsboss Cain

In der Wirtschaft kennt er sich aus, im Restaurantbusiness hat er eine Burger King Filiale aufgezogen, die Pizzakette „Godfather’s Pizza“ durch starke Filialenschließung profitabel gemacht und war langjährig CEO der National Restaurant Association, war in der Rolle auch ein großer Einfluss auf den gescheiterten Health Care Plan Clintons im Jahre 1993, mit dem gegenwärtig immer noch aggressiven Argument, dass mehr Kosten für die Arbeitgeber dafür sorgen würden, dass sie weniger Angestellte halten könnten. Cain, dessen Vater bis zu drei Jobs gleichzeitig hatte, um sich ein Haus zu kaufen und seine beiden Söhne aufs College zu schicken, ist mittlerweile weit entfernt von der Arbeiterklasse und verkörpert die 1% ebenso, wie die meisten anderen Kandidaten.

Politische Ambitionen

Bereits 2000 ließ er sich in der Präsidentschaftswahl aufstellen, war aber neben George W. Bush nicht lange im Rennen. Auch später gab Cain noch zu, dass er sich für den besseren Kandidaten gehalten hatte, dass Bush’s Momentum jedoch zu stark war. Ende 2010, Jahre nachdem er sich 2004 kurz und erfolglos für einen Senatsplatz in Georgia beworbe hatte, kündigte er sich für die Aufstellung zur Präsidentschaftswahl an. In der langen Zeit dazwischen sorgte er dafür, dass er bis zu 6 Millionen Dollar jährlich verdiente, seine rhetorischen Fähigkeiten im Radio und an der Kanzel ausbesserte und es kurzzeitig sogar zum Youtube Star machte, und zwar mit seiner ganz speziellen Version von Lennons „Imagine“.

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I got 9-9-9 Problems

Unter seiner groß heraus posaunten 9-9-9 Lösung zur Finanzkrise versteckt sich eine mehr als schlechte Umänderung der Steuersätze, die vielleicht nicht allen derzeit protestierenden 99% Nachteile bringt, aber immerhin 84% der Mittelklasse mehr zahlen lässt, als jetzt. Hinzu kommt, dass die 1% teilweise bis zu 26% weniger zahlen müssten, also, dass die reichsten Amerikaner große Vorteile genießen, während Normalverdiener und Angestellte drauf zahlen müssen. So einfach es klingt, so einfach ist es nicht, denn das komplexe Steuersyste kann nicht so sehr über einen Haufen geworfen und simplifiziert werden. 9% Einkommenssteuer, 9% auf Geschäftsabschlüsse und 9% Mehrwertsteuer keinesfalls in der Lage sind, die Situation der amerikanischen Bürger zu verbessern, zumindest nicht derer, die Verbesserung nötig haben. Dabei sind Familien die größten Verlierer, Rechnungen haben ergeben, dass eine vierköpfige Familie mit gerade mal 50000$ Einkommen im Jahr knapp doppelt so viele Steuern zahlen muss, als derzeit. Man kann mehr als froh sein, dass das Rennen um den republikanischen Anwärter noch läuft, ansonsten hätte es vielleicht nicht ganz so viele Gegenstimmen auch von den konservativen Medien und Kollegen gegeben, um diese unmögliche Rechnung aufzudecken.

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Konservativ bis aufs Mark

Bis jetzt hat Cain einiges getan, um seinen Stand als Erzkonservativer Republikaner in Zement zu gießen, Vorwürfe, dass er etwa bei der Abtreibungsfrage (schöner formuliert Pro-Choice) zu liberal denke, verneinte er mehrmals (Cain vertritt die Meinung, dass Abtreibung bei Lebensgefahr der Mutter erlaubt sein sollte), dafür hetzte er gegen das Occupy Wall Street Movement, gegen Europa, wenn nicht alles, was nicht USA ist (von der er nicht viel Ahnung zu haben scheint), gegen jede andere Religion, gegen Schwule, ach, warum nicht gegen jeden, der nicht Republikaner ist. Gefährlich ist er, weil er überall zu sein scheint, sich selbst für obskure Privatsender nicht zu schade ist und zu allem eine Meinung hat, selbst, wenn er davon keine Ahnung hat. Vor allem aber hat er Chasima und leider gewinnt diese Eigenschaft mehr Wahlen, als alle anderen Eigenschaften.