Obama vs. die Republikaner: Wer macht das Rennen um die Präsidentschaft 2012?

Es kommt einem so vor, als wäre Obama gerade erst gestern zum Präsidenten der vereinigten Staaten gewählt worden, tatsächlich ist es schon wieder vier Jahre her, dass die Welt „Yes, we can“ getönt hat. Hat Obama Chancen zur Wiederwahl oder wird einer der republikanischen Kandidaten siegen?

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Der Super Tuesday, an dem für gewöhnlich ein Kandidat der Opposition fest stehen sollte, ging sang und klanglos vorüber.

Zwar hat Mitt Romney seinen Vorsprung etwas ausbauen können, da er aber allgemein nur als das „geringste aller Übel“ gewählt wird, haben auch seine Gegner Ron Paul, Newt Gingrich und vor allem Rick Santorum einige Chancen, das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur zu machen – solange das Geld fließt.

Und das floss in den vergangenen Tagen reichlich, plötzlich kamen Befürworter, Millionäre und fragwürde Celebrities aus allen Ecken, um diesem oder jenen Kandidaten ihre Unterstützung zu zusagen, von einer klaren Entscheidung lässt sich noch nichts erkennen.

Genau das würden die Republikaner mittlerweile jedoch dringend brauchen, denn während sie sich gegenseitig in den GOPs zunichte geredet und mit zugegeben sehr schmutzigen Kampagnen gegen die Konkurrenz gepredigt haben, musste Barack Obama nicht viel tun, als sich zurück lehnen und ein Land regieren.

Die enge Auswahl der Republikaner:

Ron Paul

Er mag sich als Liberaler unter den Konservativen verkaufen, aber auch wenn er für Schwulenrechte, gegen aggressive Kriegspolitik und für wirtschaftliche Unterstützung von Kleinunternehmen plädiert, ist Paul außerdem der Überzeugung, die Erderwärmung würde es nicht geben und dass die Staaten sich gefälligst selbst in Sachen Krankenversicherung (die er privat bevorzugt) und Heiratsrechten organisieren sollten – was nicht sehr amerikanisch ist.

Glücklicherweise haben die Republikaner, insbesondere die Medien, Ron Paul bis dato großzügig ignoriert, selbst wenn er die meisten jungen Konservativen in seiner Wahlgruppe zu verzeichnen hat und außerdem nicht wenig Spenden zur Verfügung hat. Das wird ihm jedoch höchstwahrscheinlich trotzdem nicht helfen, denn der Rest der Konservativen hält den streng genommen erz-Konservativen für einen heimlichen Liberalen und wird ihn daher niemals wählen. Gut für die „Blue Democrats“, die ihn wählen würden, denn die müssten daraufhin schnell fest stellen, dass Paul alles andere als ein Demokrat in Republikaner-Pelz ist.

Newt Gingrich

Es fing so schön an für Newt, der wirtschaftlich mehr als versierte Politiker, der sich in Washington auskennt, wie in seiner eigenen Westentasche war ein überzeugender Vertreter der derzeitigen Marktpolitik und daher besonders für die Lobby ein kleiner Schatz, der anfangs ordentlich an Momentum gewann. Doch dann gruben die Medien leider sein nicht ganz so blank poliertes Privatleben hervor. Besonders in einem politischen Kampf, in dem es um christliche Werte geht (mehr als um alles andere), war seine Scheidung von seiner damals krebskranken Frau kein überzeugendes Argument für die Wähler und die Stimmen sanken weiter ab, seine fragwürdige Einstellung zu allen Amerikanern, die nicht der weißen, männlichen Mittel- bis Oberklasse angehören, tat das Übrige.

Mitt Romney

Mr. Perfekt hat eigentlich alles, was man sich wünschen kann: wirtschaftliches Know-How, eine perfekte Familie, ein ruhiges und bedachtes Auftreten und ein akzeptabel konservatives Programm. Leider ist Romney nicht nur etwas weltfremd, was die Mittelschicht Amerikas angeht, er ist außerdem nicht so felsenfest von seinen eigenen Zielen überzeugt, so dass er mehr als einmal mit laufendem Mikrofon seine Meinung zu sehr streitbaren Themen änderte.

Will das amerikanische Volk einen Wendehals? Nun, an und für sich wäre ein kompromissbereiter Präsident nicht zu schlecht, aber Romneys 180 Grad Wendungen sind dann doch zu viel, wer bereits während der Wahlzeit seine Versprechen bricht, der hat kaum Chancen auf die Präsidentschaft. Trotzdem, als Kompromiss gegenüber den anderen Kandidaten scheint es durchgehend genug Wähler zu geben, so dass Romney seit Ewigkeiten unter den Top 5 Kandidaten zu finden war, ein Überraschungssieg unter den Republikanern kann also nicht ausgeschlossen werden.

Rick Santorum

Einer der Kandidaten, die eigentlich nicht wirklich als Frontrunner angesehen wurden, konnte trotz geringerer Geldinvestition in den letzten Wochen gehörig aufholen, mit einem stabilen Familienleben, sehr festen, konservativen Überzeugungen und einem ruhigen Auftreten schien das angesichts der anderen Kandidaten auch relativ einfach zu gehen.

Für viele, die hin und hergerissen zwischen Obama und den republikanischen Kandidaten sind, weil sie von Obama auf irgendeine Weise enttäuscht wurden, ist Santorum jedoch eindeutig zu fest gefahren, besonders was Abtreibungsrechte, gleichgeschlechtliche Ehe und andere Familien-Themen angeht. So haben seine Ansichten auch schon im öffentlichen Diskurs für Furore gesorgt.

Da er nach dem Super Tuesday jedoch direkt hinter Romney stand, gibt es immer noch die Möglichkeit, dass er am Ende gegen Obama antreten kann, zur Zeit muss er ja nur die konservativen Wähler überzeugen.

Obama vs. die Republikaner

Selbst Jon Stewart hat in seinem beeindruckenden Interview mit dem Präsidenten zugegeben, dass es diverse Punkte in seiner Politik gab, von denen er enttäuscht war. Es ist offensichtlich, dass die lang ersehnte Wende, die sich das Volk nach seiner Wahl gewünscht hat, immer noch nicht eingetroffen ist.

Stattdessen hat sich schmerzvoll gezeigt, wie stark die Lobby in Amerika eigentlich ist und wie machtlos ein noch so motivierter Präsident ist, wenn alle seine Vorschläge abgeschmettert werden.

Dennoch, angesichts der republikanischen Kandidaten gibt es derzeit keine bessere Wahl als Obama und das scheinen auch die Amerikaner zu wissen, besonders, da die Mehrheit nicht zuletzt durch Occupy Wallstreet endlich auch erkannt hat, dass eben die Republikaner einer der gewichtigsten Gründe dafür sind, dass die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt derart große Kluften zwischen der Ober- und Mittelschicht kreiert haben.

Obama mag einmal zu oft gegenüber den Konservativen eingeknickt sein (man erinnere sich an Obamas Unterschrift, um dem Militär das Recht zu geben, Amerikaner ohne Verfahren gefangen zu nehmen, sollten terroristische Aktivitäten vermutet werden), dafür hat er zumindest Amerikas Wohl auf langer Sicht im Auge und nicht – wie leider die meisten der republikanischen Kandidaten – einen kurzweiligen Aufschwung, der Amerika überhaupt erst in diese Lage gebracht hat.

Mit Ausnahme von Ron Paul, der jedoch bei der konservativen Mehrheit keine Chance hat, wäre nicht einmal Romney ein adequater Gegenkandidat, da er das Charisma und die festen Standpunkte des derzeitigen Präsidenten vermissen lässt, weshalb man pauschal (allerdings zu diesem Zeitpunkt auch noch sehr spekulativ) sagen kann, dass schon einiges passieren müsste, damit Obama nicht die Wahl wieder gewinnt.