Übliche Floskeln der Tourismuswerbung

Wilhelmshaven – Reiseveranstalter und Tourismusbüros überbieten sich mit Jubelbegriffen und Floskeln, die schöne und aufregende Erlebnisse verheißen. Doch oft verschleiern die Worte nur banale Aktivitäten. Bei diesen Reizworten in Reisekatalogen und Werbebroschüren sollten Urlauber aufhorchen:

Jeep-Safari

Safari – was für ein Sehnsuchtswort! Manche haben den Sundowner in der Serengeti vor Augen, andere die Wildtiere Afrikas. Mittlerweile wird der Begriff aber inflationär für Rundfahrten im Geländewagen überall auf der Welt gebraucht. Da führt eine Jeep-Safari zum Beispiel durch die Uckermark in Brandenburg. Oder über die Insel Kreta. Dabei handelt es sich um konventionelle Sightseeing-Touren mit Fotostopps. Absurd wird es, wenn etwa eine «Skisafari» in den Kitzbüheler Alpen beworben wird. Safari im Schnee – wie bitte?

Genusswandern

Wandern klingt für viele eher langweilig und anstrengend. Wie wäre es also mit Genusswandern? Tourismusforscher Prof. Torsten Kirstges von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven ordnet ein: «Bloß nicht zu viel Anstrengung, damit es genüsslich bleibt.»

Nach Angaben des Deutschen Wanderverbands wird der Begriff inhaltlich ganz unterschiedlich gefüllt. Bei den Qualitätsrouten des Verbands gehe es um «kulinarischen Genuss», also Speis und Trank entlang des Weges. Im weiteren Sinne geht es beim Genusswandern nicht unbedingt um die leckere Brotzeit oder das verdiente Mittagessen. Oft sind einfache, kurze Routen für weniger sportliche Zeitgenossen gemeint.

Durchs wilde…

Auch wegen Karl Mays «Durchs wilde Kurdistan» suggeriert das Wort «wild» in Zusammenhang mit Reisen ein großes Abenteuer. Doch dahinter kann sich ein recht profanes Urlaubserlebnis verbergen: «Man fährt bequem und klimatisiert mit dem Bus durch steile und kurvenreiche Schluchten, die rechts und links Felsen, hohe Bäume, Gestrüpp und gelegentlich Wasserfälle zeigen», fasst Kirstges das Angebot zusammen. Alternativ geht es immerhin zu Fuß oder per Rad durch die Natur – gerne als Pauschaltour ohne Risiko.

Indian Summer

Mit dem Indian Summer ist der Spätherbst an der Ostküste Nordamerikas gemeint, wenn die bunten Blätter der Wälder in der Sonne strahlen. Doch mit einem Indian Summer werben längst auch andere Reiseziele – zum Beispiel Hessen. «Für alle, die sich die Kanadareise nicht leisten können, aber dennoch leicht rot gefärbte Baumblätter beim Spaziergang sehen möchten», vermutet Kirstges. «Dumm nur, dass es in unseren Gefilden dann meist schmuddelig nasskalt ist statt trocken, warm und sonnig wie in Kanada.»

Kulinarik

Kulinarik heißt Kochkunst und ist im Kontext der Urlaubsreise ein Synonym für Restaurantbesuche. «Charmante Umschreibung dafür, dass die Verpflegung im Mittelpunkt des Reisewunsches steht», kommentiert Kirstges. «Endlich mal so richtig satt essen mit dem, was man sich zu Hause nicht leisten kann.» Kulinarik ist letztlich ein menschliches Grundbedürfnis. Tourismus-Vermarkter benutzen das Schnörkel-Wort gerne, weil es irgendwie eine hohe Qualität des Essens andeutet.

Interaktiv, Multimedia

Zwei Schlagworte, die im Kontext von Museen und Ausstellungen nicht mehr wegzudenken sind. Im Extremfall ist das Erlebnis so: «Fünf Bildschirme flackern auf den Besucher ein und sorgen so für Reizüberflutung, wobei man auf einige drauftatschen darf», sagt Kirstges. Die Gefahr: «Spätestens nach zehn Minuten wird es langweilig.» Die Worte klingen fortschrittlich, umschreiben jedoch den Standard.

Gourmet-Tempel

In einem Tempel wird gebetet, und im Gourmet-Tempel wird dem feinen Essen gehuldigt – ein Kunstwort für ein teures, durchaus gutes Restaurant. Vor der Tischreservierung die Preise prüfen! «Anschließend geht man besser zum Currywurst-Tempel um die Ecke, um endlich satt zu werden», rät Kirstges.

Perle

Perle der Adria, Perle des Mittelmeers – so werden unzählige Urlaubsorte beworben. Was suggeriert das Wort? «Klein und selten und daher nur mit viel Blick fürs Detail zu entdecken, da oft vor die Säue geworfen, das heißt von weniger Schönem umgeben», schätzt Kirstges. Doch Vorsicht: Perlen sind nicht günstig!

Tradition und Moderne

Ein Klassiker aus dem Reisekatalog. Was liest der Profi aus den Schlagworten? «Widersprüchliches in unharmonischer Weise aufeinander treffend, aber als gewollt gestaltet verkauft», sagt Kirstges. In der Tat dürfte es kein Land auf der Welt geben, in dem Tradition und Moderne nicht nebeneinander existieren. Das Begriffspaar klingt aufregend, ist aber nichtssagend.

Fotocredits: Philipp Laage,Florian Schuh,Philipp Laage,Daniel Bockwoldt,Bernhard Krieger,Andrea Warnecke,Andrea Warnecke,Cathy Latour,Destination Ontario
(dpa/tmn)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.