Occupy Wallstreet: Panic in the Streets of America

25 Länder hat es schon ergriffen, „Occupy Wallstreet“ wird zu einer Massenbewegung des Prostestes. Gegner bemängeln den teilweise schwammigen Protestgrund, während Befürworter vor allem mit der Staatsgewalt zu kämpfen haben.

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Ein weiteres London-Debakel ist es wahrlich nicht, aber auch „Occupy Wallstreet“ hat seinen Anteil an Skandalen gehabt, die großen Zeitungen sind sich nicht sicher, wessen Seite sie nun einnehmen, selbst Befürworter und Gegner sehen sich aufgrund der allgemeinen Verwirrung irgendwo Zwischendrin.

Wie alles begann

Die Wirtschaftskrise hat das Volk und den Präsidenten in die Knie gezwungen, die versprochene Reichensteuer blieb erst einmal aus, denn die Lobby machte Obamas Kampf unmöglich, die Krisensituation einzudämmen. Höhere Steuern für den Mittelstand, der kaum noch als solcher bezeichnet werden konnte, waren der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.

Im September 2011 begannen friedliche Protestanten ihre Zelte im Liberty Park in New York aufzubauen, Initiatoren waren die Adbusters, eine links gerichtete Gruppe, die jedoch keineswegs als Anführer agierte, sondern lediglich den Impuls bot. Ziel war, die Wall Street – das Symbol und Zentrum der aktuellen Wirtschaftskrise – zu belegen. Mittlerweile sind alle größeren, amerikanischen Städte Teil der Bewegung geworden und überraschenderweise sind die Ausschreitungen bis auf einige, übermotivierte Polizisteneingriffe friedfertig geblieben. Tagtäglich stürzen sich die Medien auf die Demonstranten und halten nach Eskalationen Ausschau, wenn es keine gibt, müssen auch mal dramatische Geschichten her, derzeit ist es schwer, Nachrichten ohne Occupy Wall Street zu gucken, noch schwerer, die Beiträge ohne Übertreibungen zu sehen.

Die Protestanten

Kapitalismus und Politik trennen, so sieht der Konsens der Protestanten aus, die Lobby-gesteuerte Politik der Vereinigten Staaten hat über Jahrzehnte hinweg dafür gesorgt, dass das Land nun einfach bankrott ist. Doch während es am Anfang reichte, mehr oder weniger wütend „We are the 99%*“ zu rufen und gegen den Kapitalismus zu wettern, sahen einige Protestanten mit den Aufständen eine Möglichkeit, auch realistisch zu erreichende Ziele einzufordern. Die Ziellosigkeit der Forderungen war gerade zu Anfang der Proteste ein gefundenes Fressen für die Gegner, da eine Protestgruppe, die nicht weiß, wofür sie eigentlich protestiert, kein gutes Bild abgibt.

Doch auch die anfängliche Verwirrung hat sich gelegt, die Meisten wissen, was auf dem Spiel steht, wenn sie einem Reporter gegenüber stehen und so findet man immer mehr wortgewandte Menschen auf der Straße, die klar darstellen können, warum sie dort stehen.

Soziale Gerechtigkeit und Unterstützung, medizinische Grundversorgung, keine wirtschaftlichen Unionen mehr, höhere Steuern für die Mehrverdiener, vor allem auch Firmen, die Ziele sind klar definiert, aber trotzdem noch in alle Richtungen gestreut.

Diverse Stimmen wurden bereits laut, dass all diese Forderungen das Grundproblem ignorieren würden und zwar die Korruption der Politiker, die es dadurch einer einheitlichen, gerechten Politik unmöglich machen würde und die durch die finanzielle Abhängigkeit mancher Politiker und vor allem Präsidentschaftskandidaten niemals beseitigt werden könne.

*1% der amerikanischen Bevölkerung verdient den größten Anteil an Geld, der Rest bezeichnet sich als die 99%.

Die Polizei greift ein

Natürlich hat es nicht lange gedauert, bis die ersten Ausschreitungen stattfanden, allerdings nicht aus Reihen der Protestanten, sondern auf polizeilicher Seite, die bereits zur Ruhe gebrachte Teilnehmer mit Pfefferspray und Schlagstöcken noch das bisschen mehr zur Ruhe brachten, das wohl nötig war. Die meisten Verhaftungen im Rahmen von Occupy Wall Street wurden durch Verhinderung des Verkehrs unternommen, auch wenn derzeit bis zu 800 Verhaftungen vorgenommen wurden, gab es kaum Krawalle. Das einzige Problem derzeit dürfte eher die Hygiene, die mangelnden sanitären Einrichtungen und die vernachlässigte Pflege der Parkanlagen sein, denn zwischen all den Protestschreien haben sich bis jetzt wenige Umweltschützer eingefunden, die dafür sorgen, dass die großen Anlagen nicht durch die ganzen aufstampfenden Füße ruiniert werden.

Pro und Contra

Es scheint alles ein wenig zu idealistisch zu sein, die Slogans als auch die Bewegung selbst erinnert sehr an die 68er, die Vergleiche mit der Boston Tea Party, die allerorts gezogen werden, sind nett gemeint, aber mangeln einer wichtigen Komponente: die Protestanten von „Occupy Wallstreet“ haben keine wirklichen Druckmittel, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie im Großen und Ganzen keine klare Linie führen.

Lawrence Lessing packt das große Problem am Schopfe, indem er – wie schon erwähnt – weniger das rechtliche System kritisiert, als vielmehr die Korruption, die alles verzerrt und damit alle Ansätze, eine Besserung zu erreichen, zunichte macht. Lessing ist es auch, der meint, dass die Proteste selbst das Potential haben, mehr zu erreichen, sich dafür aber fokussiert auf ein bestimmtes Problem konzentrieren müssen, anstelle links als auch rechts an allen möglichen Zielen zu arbeiten. Besonders die Unterstützung von Präsident Obama, der zumindest die Frustration der Menschen versteht, sollte genügend Antrieb geben, mehr daraus zu machen, aber bis jetzt gab es abgesehen vom Medienrummel keine großartigen Ansätze, die Rechtslage zu verändern oder der Lobby ein wenig unter die Haube zu schauen.

Demnächst auch in Ihrem Stadtpark?

In ganz Amerika, aber mittlerweile auch in mehr als 25 Ländern haben sich die Proteste verbreitet, ein neues 68er Gefühl macht sich breit, das sicher durch die Ausschreitungen in London von vielen Leuten mit Vorsicht genossen wird. Eines ist klar, die Möglichkeit ist da, sich zusammen zu tun und etwas zu verändern, aber es braucht mehr als gesammelte Frustrationen und ein paar witzige Pappschilder, ohne Konsens und politisches Bewusstsein könnte auch dieser Protest schnell im Sande versinken.

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